Lützelbach unser Dorf im Odenwald

 

Lützelbach seit 1346

Lützelbach konnte 1996 sein 650-jähriges Jubiläum feiern, denn es wurde 1346 in einer Urkunde der Grafen von Katzenelnbogen mit dem Ritter Heinrich von Rodenstein genannt.

Natürlich ist dieses Dorf im Odenwald viel älter und hat wahrscheinlich schon in der keltischen Zeit bestanden. Eine günstige Lage am Übergang zwischen dem Tal der Modau und dem Fischbachtal bot Schutz vor den Winden aus dem hessischen Ried, war aber auch als Durchgangsort zwischen den westlichen Tälern und dem Gebiet der Gersprenz gut plaziert. Dass die keltische Fluchtburg, die Heuneburg, auf dem Altscheuer mit Lützelbach in enger Verbindung stand, kann wohl nicht bezweifelt werden.

In Zeiten des Krieges, wenn fremde Krieger durch den Odenwald zogen, war diese Wallanlage auf dem Berg eine gute Verteidigungsmöglichkeit, um dort mit Familie und Vieh sicher die Raubzüge allerlei Völker zu überstehen.  Aus diesen Zeiten sind uns keine schriftlichen Unterlagen überliefert, doch die Zeit vor 650 Jahren wird in den Urkunden der Grafen von Katzenelnbogen recht lebendig. Um die alten Verträge zu sichern, wurden sie alle 10 Jahre vom gräflichen Sekretariat wieder abgeschrieben und so sind uns heute verschiedene Schreibweisen von unserem Lützelbach überliefert:

1346  Lutzelnbach
1360  Lützelnbach
1400  Luczilnbach
1433  Lutzelbach
1455  Loczelnbach
1653  Lüzelbach
1655  Litzelbach
1748  Lützelbach

 

Wappen der Grafen von Katzenelnbogen

 

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In Lützelbach fanden keine ritterlichen Turniere und keine Kaiserkrönungen statt. Hier wurden keine wichtigen Verträge geschlossen und keine Schätze vergraben. In Lützelbach mußte jahrhundertelang um das Überleben gekämpft werden, wenn Regen, Unwetter, Trockenheit und Seuchen den Bauern das Leben schwer machten. Hinzu kamen die vielen Kriege, die oft alle Hoffnungen auf Verbesserungen der Lebensumstände zerstörten. Die Verbindung zu den Nachbardörfern Neunkirchen und Brandau, aber auch Steinau und Billings, war sehr eng und die Familien meistens verwandt und verschwägert.  Auch Aufgaben der Sicherung der Dörfer wurden gemeinsam angegangen. So steht im Brandauer Haingerichtsbuch von 1651, daß Adam Roßmann aus Lützelbach und Hans Melcher Speyer aus Brandau Feuerläufer sein sollen. Adam Seeger und Costmann Dracht aus Brandau waren damals Feuerwagenführer.

Der Text im Haingerichtsbuch lautet:


"Adam Roßmann von Litzelbach und Hans Melcher Speyer von Brandau wurden beide Feuerläufer, die mit ihren ledernen Eimern dahin laufen sollten, wo Feuer aufkommt. Adam Seeger und Costmann Dracht sollen einen Wagen einspannen, wenn Not vorfällt und die Feuerleitern und Feuerhaken unter dem Rathaus aufladen und alsbald danach rennen und eilen".

Natürlich wird Lützelbach in den folgenden Jahrhunderten immer wieder einmal erwähnt, sei es in Gerichtsprotokollen des Amtsmanns von Lichtenberg oder im Zusammenhang mit der Räuberbande des "Hölzerlipps", zu der auch zeitweise Georg Dascher, Jakob Erbeldinger etc. aus der Umgegend von Lützelbach gehört hatten. Auch der "Latzekeller" spielt dabei eine Rolle. Die Obrigkeit schlug 1813 unbarmherzig zu, denn aus der Entlassung aus der Leibeigenschaft mußte es dem einfachen Volk und den kleinen Verbrechern einmal gezeigt werden, was die nunmehr Großherzogliche Justiz vermochte. Die Odenwälder Räuber wurden geköpft, jedoch traten zumeist recht schnell Nachfolger in ihre Spuren. Genaue und ausführliche Unterlagen und Beschreibungen können dem Festbuch "650 Jahre Lützelbach" entnommen werden, das von Prof. Dr. Friedrich Sauerwein und Robert J. Sasse erstellt wurde.

Herausgeber ist der Lützelbacher Arbeitskreis für Heimatgeschichte, unter der Leitung von Heiner Lautenschläger (ISBN 39106-299-0).

Über die Familie Dascher gibt es eine Veröffentlichung von Georg Dascher aus Ober-Kainsbach, die 1989 erschienen ist (ca. 90 Seiten).

Als die hessische Gemeindereform 1977 elf Ortsteile zu einer Großgemeinde zusammenwürfelte, wurde Lützelbach ein Teil von Modautal. Die Einbindung in die Dorfsanierung bietet dem Ortsteil nun einige Möglichkeiten, im privaten und öffentlichen Bereich qualitative Verbesserungen zu erreichen.

Text Rainer Hubertus (aus Festschrift 50 Jahre FFW)